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03.07.2020

01.12.2019 21:29


Der aktuelle Aufruf der Revolution: Arbeiterklassenbasis und Führung

(Die Rede, die während der Veranstaltung zum 21. Gründungsjahr der TKIP gehalten wurde... Die Zwischenüberschriften wurden während der Redaktion hinzugefügt.)

Verehrte Freunde und Genossen,

wir haben uns heute hier versammelt, um zwei für unsere Partei wichtige Jubiläen, das 102. Jahr der Oktoberrevolution sowie das 21. Gründungsjahr unserer Partei zu feiern. An diesem bedeutungsvollen Tag wollen wir unsere Freude teilen und all unsere Freunde und Genossen, die uns mit ihrer Anwesenheit die Ehre erweisen, im Namen unserer Partei mit tiefsten revolutionären Gefühlen herzlichst begrüßen. Wir heißen euch herzlich willkommen zu unserer Veranstaltung unter dem Motto „Klasse gegen Klasse, Revolution gegen die herrschende Ordnung!“.

Die Lösung der Probleme

„Klasse gegen Klasse“, so lautet der Hauptslogan des VI. TKIP Kongresses. Es ist auch der Titel unserer öffentlichen Bekanntmachung. Der VI. TKIP Kongress begründet diesen Slogan mit der momentanen Lage in der Türkei. Tatsächlich verbirgt sich jedoch in diesem Slogan der Schlüssel zur Lösung aller gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Probleme, unter denen ein überwältigender Teil der Menschheit heute leidet.

Ausbeutung und gesellschaftliche Ungleichheit; Arbeitslosigkeit und Armut; Unterdrückung und Terror; Faschismus und Rassismus; Militarismus und Krieg; geschlechtliche, nationale und konfessionelle Unterdrückung sowie unzählige andere Probleme, unter denen die Menschheit leidet, basieren auf der kapitalistischen Weltordnung. Die herrschende Klasse in diesem System ist die Kapitalistenklasse, die Bourgeoisie. Solange dieses System nicht gestürzt und die Herrschaft der Kapitalistenklasse nicht bezwungen werden, können die Probleme nicht gelöst werden. Die Geschichte des Kapitalismus, insbesondere die geschichtlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, haben genau diese grundlegende Tatsache bewiesen.

In der kapitalistischen Gesellschaftsordnung steht den Kapitalisten die Arbeiterklasse gegenüber. Die historische Alternative zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung stellt der Sozialismus dar und der Sozialismus wiederum wird von der Arbeiterklasse repräsentiert. Dies rührt aus ihrer besonderen Rolle im Kapitalismus, aus ihrer besonderen Stellung im kapitalistischen Produktionsprozess her.

Die bürgerlichen Ideologen, die bürgerliche Propaganda, bürgerliche Liberale, ehemalige Sozialisten; sie alle behaupten, dass die Arbeiterklasse dabei ist, ihre besondere Stellung in der kapitalistischen Gesellschaft zu verlieren. Schaut man sich die heutige Welt jedoch an, ist es Fakt, dass der Arbeiterklasse weltweit Milliarden angehören. Die am stärksten entwickelten kapitalistischen Länder aus Europa und Nordamerika mal beiseite… In vielen Ländern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch Entwicklungsländer waren, hat sich mittlerweile ein Meer von Arbeitern herausgebildet. Von Brasilien bis China; von Mexiko bis Russland; von Ägypten bis Indien; von der Türkei bis Südkorea; von Südafrika bis Indonesien hat sich dies so entwickelt. Allein in China existieren heute über 200 Millionen Industrieproletarier. Allein in Indien kommt es dazu, dass 150 Millionen Arbeiter in den Generalstreik treten.

Die Kraft der Arbeiterklasse basiert nicht einfach auf ihrer Überzahl, sondern darauf, dass sie im Herzen des kapitalistischen Produktionsprozesses steht. Nichtsdestotrotz übertraf auch die zahlenmäßige Entwicklung der Arbeiterklasse in den letzten 50 Jahren alle Erwartungen. In den letzten 50 Jahren hat sich allein die Anzahl der Industriearbeiter verfünffacht. Sie ist von 200 Millionen auf 1 Milliarde gestiegen. Zur Wiederholung: diese Zahlen sprechen allein für die Industriearbeiter. Im Allgemeinen übersteigt die zahlenmäßige Stärke der Arbeiterklasse diese Zahlen bei Weitem.

Die kapitalistische Gesellschaftsordnung, welche die Quelle aller Probleme bildet, wird genau von dieser Klasse gestürzt werden. Die Klassenherrschaft der Kapitalisten wird von dieser Klasse, der Arbeiterklasse bezwungen werden. „Klasse gegen Klasse“ ist sowohl Ausdruck dieser historisch-gesellschaftlichen Wahrheit als auch ein Aufruf zur historischen Verantwortung an uns Klassenrevolutionäre. Die historische und aktuellste Aufgabe lautet, die Arbeiterklasse gegen die Klasse der Bourgeois zu stellen.

Die Zeit der Massenbtewegungen und die Klassenbasis

Unsere Welt ist immer noch in gesellschaftspolitischem Aufruhr. Längst ist eine neue Zeit in der Menschheitsgeschichte angebrochen. Sie hat sich schon längst mit ihren Kriegen und Krisen bemerkbar gemacht. Wie immer wird diese Zeit von Klassenkämpfen, Massenbewegungen, Volksaufständen und nach und nach von Revolutionen begleitet werden. Nicht endende Massenbewegungen und Volksaufstände gehören zum Alltag unserer Zeit. Um das zu erkennen, reicht ein kurzer Blick auf die jetzige Weltlage. Die Massen gehen weltweit auf die Straßen, die Proteste erreichen in einigen Ländern das Ausmaß eines Volksaufstandes. Und von Land zu Land ist kein Ende in Sicht; es wird auch kein Ende kommen. In ihren tausendfachen Arten werden Klassenkämpfe, Massenbewegungen, Volksaufstände weitergehen, sich vergrößern und verbreiten.

Wir Kommunisten der TKIP haben dies bereits zu einer frühen Zeit, vor ca. 20 Jahren festgestellt. Mit einer Reihe von Fakten haben wir unterstrichen, dass ein neues Zeitalter der weltweiten Massenbewegungen und Volksaufstände begonnen hat. Seither sind wir überall Zeuge von phasenweise aufkommenden Aufständen der Werktätigen und der Völker. In Lateinamerika haben wir große Unruhen beobachtet. Wir haben die Arbeitskämpfe in Asien gesehen; die großen Erhebungen im Nahen Osten; die Revolten in Tunesien oder Ägypten und vor kurzem noch die Aufstände im Sudan und in Algerien. Momentan sehen wir in Lateinamerika Chile und Ecuador, im Nahen Osten den Libanon, Irak und den Iran. Auf globaler Ebene können wir einerseits eine Jugendbewegung sehen, die sich gegen die Umweltzerstörung und den Klimawandel wehrt und andererseits eine Frauenbewegung, die sich gegen sexistische Unterdrückung und Ungleichheit erhebt. Die Feststellungen unserer Partei haben sich in den vergangenen 20 Jahren durch unzählige Ereignisse bewahrheitet.

Jedoch befinden wir uns noch nicht an einem revolutionären Zeitpunkt. Keines der unzähligen Volksaufstände der letzten 20 Jahre hat zu einer Revolution geführt, nie das Ausmaß einer Revolution erreichen können. Bei jeder wahren Revolution wird die eine Klasse von der anderen bezwungen, sodass die als Sieger hervorgegangene Klasse die Macht ergreift. Bei den bisherigen Volksaufständen haben wir derartige grundlegende revolutionäre Veränderungen nicht erlebt. Oftmals bleiben die herrschenden Diktaturen selbst nach den Unruhen samt ihren institutionellen Strukturen bestehen, sodass erst recht nicht von einem Machtwechsel unter den Klassen die Rede sein kann. Auch wenn die Diktatoren gehen, wird die Diktatur mit minimalen Veränderungen weitergeführt.

Dies bringt uns erneut zu der historisch-gesellschaftlichen Bedeutung und besonderen Wichtigkeit unseres Slogans „Klasse gegen Klasse“. Was uns bei den heutigen großen gesellschaftlichen Unruhen fehlt, ist der Bezug sowie die Führung der Arbeiterklasse. Noch immer ist die Arbeiterklasse nicht in den Vordergrund getreten und hat sich nicht als treibende und führende Kraft der Bewegungen zeigen können. Solange das nicht erreicht wird, werden all diese sozialen Entladungen immer zwischen engen Grenzen gefangen bleiben. Entweder werden sie zerschlagen, von sich aus erlischen oder aber auch als Instrument von Teilen der herrschenden Klasse zu ihrem Zwecke benutzt werden. So, wie es in Ägypten die auf US-amerikanischer Seite stehenden Sisi Anhänger geschafft haben.

Die regionalen Verbrechen der Kapitalherrschaft
und die revolutionäre Verantwortung

Als Revolutionäre der Türkei schenken wir aus nachvollziehbaren Gründen der Kurdenfrage sowie dem unendlichen Leid, welches das kurdische Volk in der Türkei und dieser Region erlebt, eine besondere Aufmerksamkeit. Wir sind gegenüber den legitimen demokratischen Rechten der Kurden sowie ihren Errungenschaften besonders empfindsam. Wir stellen uns deshalb entschlossen gegen jegliche dreckigen Machenschaften und Kriege, die diese beseitigen wollen. Wir sind Revolutionäre der Türkei und deshalb sind dieses besondere Interesse, diese Empfindsamkeit und die zweifelslose Annahme für uns notwendig. Sie sind unsere unerlässliche Aufgabe, denn die ausbeuterische Versklavung des kurdischen Volkes, die dreckigen Machenschaften in Bezug auf die kurdischen Errungenschaften sowie die Eingriffe und Kriege; all das hat unmittelbar die Klassenherrschaft der türkischen Bourgeoisie zu verantworten.

Dabei dürfen wir nicht die Tatsache vergessen, dass der gesamte Nahe Osten unendliches Leid erlebt. Von Palästina bis zum Sudan, von Syrien bis Jemen, vom Irak bis nach Libyen ist dies so. Und auch hier, beim Leid der Völker des Nahen Ostens, gehören die türkische Bourgeoisie und der türkische Staat zu den Hauptverantwortlichen. Dies gilt in unmittelbarer Weise auch für die Ereignisse in Syrien, Libyen und Irak. Seit dem zweiten Weltkrieg dienen der türkische Staat und seine Bourgeoise in dieser Region dem Imperialismus und Zionismus. Trotz einiger erbärmlicher Manöver, die durch die Machtverhältnisse zwischen den imperialistischen Mächten ermöglicht werden, ist dies weiterhin der Fall. Noch immer dient die Türkei dem Imperialismus und Zionismus.

Der Nahe Osten ist wie ein Mosaik bestehend aus Völkern, Kulturen, Religionen und Konfessionen. Dieses sozial-kulturelle Gewebe bildet ein passendes Fundament für den Imperialismus, den Zionismus und die regionalen reaktionären Kräfte, um ethnische, religiöse, konfessionelle und kulturelle Konflikte zu provozieren und dadurch die Spaltung und Zersplitterung der Völker zu bewirken. Das Gegengift hierzu ist eine vereinende Plattform. Diese Plattform stellt in jedem Land die Arbeiterklasse dar. Leider mangelt es in vielen Ländern seit Jahrzehnten aufgrund wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Zusammenbrüche an der Existenz einer Arbeiterklasse, die das erreichen könnte. Doch regional betrachtet existiert die Arbeiterklasse. Die Hauptbeispiele hierfür sind die Türkei, Ägypten und der Iran. Ob die Bevölkerungen des Nahen Ostens sich von dem Leid und der Zerstörung befreien werden, hängt stark von der historischen revolutionären Initiative der Arbeiterklasse in diesen drei Ländern ab. Solange dies nicht der Fall ist, werden das Leid und die Zerstörung, das die Bevölkerungen im Nahen Osten erleben, weiterhin bestehen.

Wir wissen, dass Menschen, Gruppen von Menschen und Völker, die in Leid und Armut leben, allgemein verständlicherweise eher kurzzeitige Lösungen wollen und erwarten. Bedauerlicherweise gibt es für die bestehenden Probleme keine kurzzeitigen Lösungen. Derartige Erwartungen und Bestrebungen werden immer wieder in Enttäuschungen münden. Aus diesem Grund ist wichtig und ausschlaggebend, dass man auf die sich nähernde weltweite Phase der Revolutionen mit entsprechenden Lösungswegen vorbereitet ist. Im Slogan „Klasse gegen Klasse!“ steckt genau diese historische revolutionäre Bedeutung. Deshalb verdeutlichen wir Kommunisten diesen Slogan mit der Ergänzung „Klasse gegen Klasse, Revolution gegen die herrschende Ordnung, Sozialismus gegen Kapitalismus!“. Wie wir bereits erklärt haben, kann es ohne die Konfrontation zwischen Klasse und Klasse keine Revolution gegen dieses System geben. Der Kapitalismus, der die eigentliche Ursache für nationale Probleme, Sexismus und Umweltzerstörung sowie alle anderen sozialen Probleme ist, kann so nicht gestürzt werden. Der Sozialismus, welcher als Einziger das Fundament für die Lösung dieser Probleme bietet, bleibt dann unerreichbar. Dies ist für die Geschichte, für die heutige Zeit und damit vor allem für uns die größte Lehre, welche uns die große sozialistische Oktoberrevolution hinterlassen hat, deren 102. Jahrestag wir heute feiern. Sie ist auch der Grund dafür, dass die TKIP, deren 21. Gründungsjubiläum wir feiern, heute existiert.

Ich heiße euch alle noch einmal mit revolutionären Grüßen willkommen.

Es lebe unsere Partei, die TKIP!

Es lebe die proletarische Revolution und der Sozialismus!